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"GTA 4 hätte indiziert werden müssen"

Der Kriminologe Christian Pfeiffer erfreut sich in der Spieler-Szene großer Unbeliebtheit. Seine Aussagen zu Games und Gewalt haben in der Vergangenheit immer wieder die Gemüter erhitzt, zuletzt sorgte Pfeiffer mit dem “Kölner Aufruf” für Unmut. Die Unterzeichner des Schriftstücks fordern ein Herstellungs- und Verbreitungs-Verbot von kriegsverherrlichenden und gewaltfördernden Computerspielen, denn in Spielen wie “Call of Duty” oder “GTA 4″ würde Jugendlichen das “systematische und exzessive Töten” beigebracht. Wie es aussieht, wenn Pfeiffer und seine Kritiker aufeinander treffen, illustriert ein Blogbeitrag von Gunnar Lott sehr gut. Nun hat das Magazin “golem” ein längeres Interview mit Pfeiffer geführt, das erneut für hitzige Debatten sorgt.

Standpunkte zum Thema Gewalt in Games kann man viele haben, sicher ist jedoch, dass es in Deutschland den weltweit schärfsten Jugendschutz gibt. Auch das Jugendschutz wichtig ist und von Hersteller- wie Verkäufer-Seite ernst genommen wird, steht außer Frage. Deshalb ist es eigentlich unnötig, Pfeiffer als Interviewpartner zu debattieren, denn einige Zitate aus dem Gespräch kann man auch einfach mal stehen und für sich selbst sprechen lassen. Da eine Antwort seitens diverser Publisher und Gegner Pfeiffers nicht lange auf sich warten lassen wird, sei die nächste Runde im scheinbar ewig währenden Streit der Gewaltspiel-Spieler und -Kritiker hiermit eröffnet.

“Der Jugendmedienschutz funktioniert überhaupt nicht, die Klassifizierung ab 18 wirkt eher wie ein Ritterschlag.”

“Es (GTA 4, Anm. d. Verf.) hat Untertöne, die völlig inakzeptabel sind: Einmal wird ein Diamantenhändler getötet, der ist Jude und verhält sich genauso wie “Jud Süß”. GTA 4 sollte konsequenter von Kindern und Jugendlichen ferngehalten werden. Und das geht heutzutage über Indizierung.”

“Die Spieleindustrie behauptet immer noch, Gewaltexzesse in Computerspielen hätten keine gewaltsteigernde Wirkung, und stützt das mit gekaufter Forschung.”

“Empathieverluste sind beim Computerspielen viel stärker ausgeprägt als beim Filmegucken.”

“Diese Kampfbereitschaft der Jungen kann man dadurch auffangen, dass man ihnen in Ganztagsschulen nachmittags Rugby anbietet. Ein exzessiver Gewalt-Männersport, wunderbar in den Rollen und im Austobepotenzial!”

“USK 18, denn in den Wirkungen ist WoW grauenhaft destruktiv: 35 Prozent der männlichen jugendlichen Spieler nutzen es pro Tag mindestens viereinhalb Stunden. Sie verbringen mehr Zeit mit World of Warcraft als mit Schulunterricht.”

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2 Kommentare
  • Enno
    1. März 2009
    #1

    Istt doch Schwachsinn, Es ist jeder anders, man sollte nicht alle Egoshooterfans Über Kamm ziehen!!!!!!!
    Wenn Gewisse leute Nicht mehr wissen was Game Und Was wirklichkeit ist dann tut es mir leit Ich Persönlich Habe Keinen dringlichen wunsch Amok zu laufen Und auserdem sind diejenigen Geistig so oder so UNTERBELICHTET

    Lass Sie doch Zocken Wen sie mit dem leben draussen vor der haustür klarkommen ist doch alles in Butter.

    MFG Enno

  • tallinn
    13. November 2009
    #2

    “sicher ist jedoch, dass es in Deutschland den weltweit schärfsten Jugendschutz gibt. Auch das Jugendschutz wichtig ist und von Hersteller- wie Verkäufer-Seite ernst genommen wird, steht außer Frage.”

    Ich finde das gar nicht so sicher und ausser Frage stehend. Bei GTA IV wie auch bei vielen anderen “FSK ohne Jugendfreigabe”-Titeln ist der Jugendschutz nur in der Theorie streng, in der Praxis aber kaum vorhanden. Die Spiele gelangen – mit oder ohne Hilfe der Erziehungsverantwortlichen – zum weitaus grössten Teil in die Hände von Jugendlichen. Und das immer nur auf die Eltern zu schieben, ist ungerecht: Computerspielhändler, die die roten Boxen nur gegen Ausweis abgeben, sind eher selten, und wenn die Eltern das Spielen solcher Spiele in der eigenen Wohung unterbinden, dann gibts bestimmt irgendwo einen Kumpel, bei dem man das dann doch zocken kann.

    Kurz: der Jugendschutz wird in der Praxis hier kaum strenger gehandhabt als bei Kinofilmen und daher braucht man sich nicht einbilden, bei ausreichender elterlicher Sorge würden tatsächlich nur Erwachsene die nur für sie freigegebenen Titeil auch spielen. Und die Spieleindustrie will auch nicht, dass sich das ändert. Teenager sind eine grosse Käufergruppe.

    Gerade von der Seite der Spielehersteller kann ich überhaupt kein Interesse an Jugendschutz wahrnehmen. Das wird den Prüfstellen überlassen, und dann auf Teufel komm raus mit denen verhandelt, damit das Spiel die Einstufung ab 18 nicht erhält, sondern ab 16, weil man dann eine noch grössere Kundschaft hat (nämlich so ziemlich alle Kids, die sich für Computerspiele interessieren).

    Bei den Spielen selbst wird keinerlei Rücksicht auf das ziemlich grosse und von den Herstellern sogar erwünschte Risiko genommen, dass die von Kindern gespielt werden. Dabei ist jetzt bei einigen Spielen nicht das Ausmaß an realitätsnaher Gewaltdarstellung das Ausschlaggebende, sondern das Grundkonzept des Spiels, das sich kämpfend gegen jedermann zum Spielziel durchschlagen. Bei GTA IV beispielsweise gibt es keinerlei friedliche Handlungsoptionen, dabei suggeriert das Spiel größtmögliche Handlungsfreiheit. Doch Autos kann man nur per Diebstahl erwerben, Geld nur mit Verbrechen, und etliche Missionen erfordern, dass man sich auch gegen die Polizei den Weg freischiesst, und dabei auf Passanten wenig Rücksicht nimmt. Die in das Spiel eingebauten “Penalties” für gewalttätiges Verhalten sind eher eine den Spieler zusätzlich motivierende Herausforderung, als abschreckend. Selbst Massenmord verjährt sofort nach erfolgreicher Flucht aus dem Fahndungskreis. Die eigentliche Herausforderung bei GTA IV ist es, möglichst “non-violent” durch die Missionen zu kommen. Denn das macht das Spiel richtig schwierig. Doch darf man davon ausgehen, dass die Kids dieses Spiel mit größtem Vergnügen so gewalttätig wie möglich spielen, und sich dabei unheimlich “cool” vorkommen.

    Klar können Erwachsene mit der dann normalerweise vorhandenen gefestigten Persönlichkeit solche Spiele spielen. Nur sollten wir uns nicht vormachen, dass der typische Spieler dieser Spiele ein Erwachsener ist.

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